18.02.2020

Einsatz 177 | Shevgaon, Indien

Das Jahr 2020 | Indien zeigt die höchste Wirtschaftsentwicklungs-rate, ist 4. größte Militärmacht der Welt, fliegt zum Mond, verfügt über tausende medizinischer Fachzentren und über abertausende bestausgebildetster Fachärzte für Plastische Chirurgie. Müssen wir da wirklich noch mit Sack und Pack und all unserem handwerklichen Geschick Hilfe leisten? Braucht uns da noch irgendjemand? Die offiziellen Stellen sehen keinen Bedarf und daher auch keinen Grund uns eine Arbeitserlaubnis zu erteilen

Doch die Bedürftigen sind auch in 2020 da. Sie leben weit ab der großen Zentren im ländlichen Bereich wo nach wie vor Hungern oder Sattwerden von Witterung und Ernte abhängen. In 2019 war die Zuckerrohrausbeute gering. Vor der rein mechanisch funktionierenden Zuckerraffinerie sind die alljährlich aufgespannten Zeltstädte der Erntehelfer, ihrer Familien, Ziegen, Hühner und Ochsenkarren überschaubar. Die vielen, die nicht kamen, werden dieses Jahr ohne Einkommen leben müssen. Wer weiß wieviele dieser Familien ein verkrüppeltes Kind in ihrer Hütte beherbergen, vielleicht durch Verbrennungsnarben eingeschränkt, vielleicht durch angeborene Mißbildungen entstellt.

Und deswegen hat sich vom 1. - 14. Februar wieder ein Team von Interplast Germany - Sektion Bad Kreuznach auf den Weg nach Shevgaon gemacht, um wie in den letzten Jahren mit den Einsätzen | 174 | 173 | 164 | 153 weiter an der kontinuierlichen Partnerschaft festzuhalten.

Und so haben auch in diesem Jahr die viel den Schulbus mit den großen Plakaten vorbeifahren sehen, auf denen deutsche Ärzte kostenlose Operationen für mittellose Patienten anbieten. 
 Kann man das wirklich glauben? Doch, doch, eine Bekannte der Nachbarin hatte eine Cousine deren Tochter tatsächlich vor zwei Jahren von den Fremden operiert wurde. Sie durfte mit ihrer Mutter zwei Wochen im Krankenhaus der katholischen Schwestern bleiben, bekam dreimal am Tag Reis, Fladenbrot und Linsensoße so viel sie wollten. Sie durften sogar einen kleinen toten Hund aus Tuch mitnehmen. Die Tochter hatte einen steifen weißen Verband am Arm, und nachdem der abgenommen war, konnte sie wieder alle Finger strecken, wie vor dem Brandunglück.

Der Hauptdank für das Gelingen dieses Einsatzes gilt den Helfern vor Ort: zuallererst den 12 Ordensschwestern, die das Krankenhaus mit 120 Betten voller Hingabe für die Ärmsten der Armen führen. Sie decken alles ab: Anästhesie und Pflege, Bereitschaftsdienst, Sozialmedizin, Schwesternschule, Verwaltung, Küchendienst und Geschäftsführung. Soweit wie möglich wird rotiert und jeder größere Beschluss wird im Zwölferrat gefasst.

Für uns immer wieder unglaublich ist die Herzenswärme und tiefe menschliche Verbundenheit mit der wir und die Patienten dort empfangen und versorgt werden. Hier läuft nicht nur funktionale Fachbereichsmedizin, sondern mitfühlender und umsichtiger Dienst am Nächsten als dankbar heitere Verbeugung vor unserem Schöpfer, Diakonie im eigentlichen Sinne.

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