16.12.2016

Gemeinsam Shamsuddin vor der Beinamputation retten

Der 6 jährige Shamsuddin hatte in Afghanistan nach einem Verkehrsunfall eine schwere Verletzung des rechten Beines überlebt, mit offen liegendem Knochen und großem Weichteildefekt. Um möglichst eine Beinamputation zu verhindern, hatte sich Markus Dewender von der Hilfsorganisation “Kinder brauchen uns“ an Dr. André Borsche in Bad Kreuznach mit der Bitte gewandt, INTERPLAST möge ihm durch eine spezialisierte Behandlung und medizinisch notwendige plastisch-rekonstruktive Operation in Deutschland helfen.

Nach Rücksprache mit Herbert Wirzius von der Soonwaldstiftung „Hilfe für Kinder in Not“, der sofort seine Unterstützung angeboten hatte, konnte Borsche den Jungen in das Diakonie Krankenhaus nach Bad Kreuznach einladen. Auch Dr. Najiba Behmanesh versprach zu helfen, da eine Beinamputation für einen Jungen in Afghanistan das absolute „soziale Aus“ bedeutet. Es dauerte dann noch viele Wochen bis endlich ein Visum erteilt worden ist, unter der Voraussetzung, dass Shamsuddin nach Abschluss der Behandlung wieder zurück zu seinen Eltern nach Kabul kehren wird.

Als der Junge dann in der Kinderabteilung von Dr. von Buch aufgenommen wurde, zeigte sich der medizinische Befund noch viel schlimmer als erwartet. Nicht nur dass eine offene Wunde mit infiziertem Knochen vorlag, vor allem aber waren es Keime, die gegen die meisten Antibiotika resistent waren. Oberarzt Markus Stolz von der Orthopädie des Diakonie Krankenhauses versuchte zusammen mit den Plastischen Chirurgen den Knochen und die Wunde operativ soweit zu reinigen, dass endlich die Infektion beherrscht werden konnte. Danach erfolgte unter Leitung von Oberarzt Jens-Peter Sieber von der Plastischen Chirurgie unter Mithilfe von Privatdozent Arnold Suda aus der Unfallchirurgie der BG Klinik in Ludwigshafen die Weichteilbedeckung durch eine mikrochirurgische Muskeltransplantation vom Rücken zum Verschluss der weit klaffenden Unterschenkelwunde. Inzwischen wird eine schrittweise Knochenverlängerung von oben nach unten mittels eines äußeren Metallgestänges (Fixateur externe) durchgeführt, um die 12 cm lange Knochenlücke, mit nachwachsenden Knochen zu überbrücken.

Shamsuddin ist nun schon seit ein paar Tagen entlassen und bei einer Familie in der Naheregion untergebracht. Durch tägliches Drehen an dem äußeren Knochenspanner toleriert er die Knochenverlängerungsprozedur erstaunlich gut. Diese wird bis Anfang nächsten Jahres dauern und dann gilt es die Stabilisierung des neugebildeten Knochens abzuwarten, bis er wieder auf zwei Beinen durch die Welt laufen kann. 

Ist all dieser menschliche und finanzielle Aufwand für einen kleinen, bedeutungslosen Jungen aus Afghanistan es wirklich wert, wo doch so viele andere auch Hilfe benötigen? Aber auch das Christuskind hatte keine spezielle Lobby und doch hat es Großartiges in den anderen Menschen bewegt. Wenn wir inzwischen gewohnt sind, die Welt nur noch ökonomisch zu bewerten, dann haben wir das Wesentliche am Menschsein verpasst.

Bitte helfen Sie uns durch Ihre Spenden den humanitären und medizinischen Aufwand auch finanziell zu bewältigen. Wenn wir dies erleben dürfen, bedeutet es nicht nur einen Riesenerfolg für den Jungen, sondern auch ein Zeichen der menschlich mitfühlenden Solidarität mit den Armen in der Welt.

André Borsche 

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