22.09.2015

Medizinische Hilfe für Flüchtlinge in Bad Kreuznach

Ärzte des Diakonie Krankenhauses übernehmen ehrenamtlich die ärztliche Erstversorgung.

Eine große Anzahl von Flüchtlingen ist dieser Tage in Bad Kreuznach eingetroffen, die von den Maltesern in der Sporthalle des Gymnasiums am Römerkastell versorgt und betreut werden. Viele erschöpfte Menschen aus Syrien, Afghanistan und den Balkanstaaten finden hier eine vorübergehende Bleibe, in der Hoffnung bald zu ihren Verwandten in andere europäische Staaten weiterreisen zu können. Einige von Ihnen sind aber ohne Ziel geflohen und hoffen mit ihren Familie auf einen sicheren Platz auf Erden, ohne Verfolgung und Gefahr für ihr Leben. Man mag sich gar nicht vorstellen, was an Grausamkeiten sie schon erlebt haben, dass sie in ihrer Ausweglosigkeit sich gezwungen sahen, ins Ungewisse zu fliehen.

Wo viele Menschen zusammen kommen ist auch immer medizinische Hilfe von Nöten. Während für die Unterbringung, Verpflegung und sanitäre Versorgung der Flüchtlinge vorbildlich von den Maltesern bereits im Vorfeld gesorgt wurde, musste die medizinische Betreuung erst strukturell etabliert werden. Dr. Dirk Blaschke von der Plastischen Chirurgie des Diakonie Krankenhauses Bad Kreuznach übernahm hier als langjähriger Malteser die Verantwortung für die Organisation des medizinischen Bereichs. Vor allem gilt es die allgemeinmedizinische Betreuung der Flüchtlinge jetzt und für die Zukunft sicher zu stellen.

Auf Anfrage von Dr. André Borsche von INTERPLAST war Kollege Dr. Mathias Elsner, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin im Diakonie Krankenhaus, sofort bereit, hier selbst aktiv mit einzusteigen und mehr noch: er konnte sämtliche Mitarbeiter seiner Abteilung dafür begeistern, auch ehrenamtlich mit zu helfen soweit es ihre Arbeitsbelastung ihnen erlaubt. Auch Dr. Thorsten Junkermann von der Geschäftsführung des Krankenhauses signalisierte seine Unterstützung und konnte den Versicherungsschutz für die engagierten Helfer aus der Diakonie zusichern. Jetzt soll in Zukunft dreimal die Woche für 3 Stunden eine ärztliche Sprechstunde vor Ort eingerichtet werden. Für spezielle Probleme von Kindern wird Dr.Christoph von Buch, für gynäkologische Fragestellungen Dr. Michael Kumbartski und für chirurgische Wunden und Narben das Team der Plastischen Chirurgie zur Verfügung stehen.

Dennoch fehlt es an vielen helfenden Händen. Insbesondere Menschen, die als Übersetzer oder Betreuer dringend benötigt werden. Jeder der arabisch oder persisch spricht und versteht ist herzlich willkommen. Freiwillige Helfer, die als Betreuer den Flüchtlinge beistehen und kleine Dienste erledigen helfen, würden die 12 Stunden Schicht der Malteser sehr entlasten.
 Stefan Kugler, Leiter der Flüchtlingsunterkunft in Bad Kreuznach, ist für jede Unterstützung sehr dankbar.

Viele Fragen der medizinischen Versorgung sind aber noch ungelöst. Insbesondere was die Besorgung von erforderlichen Medikamenten, Labor- und eventueller Röntgenuntersuchungen an geht. Können wir Menschen helfen, die eine medizinisch sinnvolle Behandlung benötigen, die aber keinen Notfallcharakter hat? Würden sich Hausärzte aus unserer Region mit engagieren wollen, die vielleicht sogar die Sprache der Flüchtlinge sprechen können? Dürfen wir auch längerfristig mit der Sympathie der Bad Kreuznacher rechnen dürfen, Menschen in ihrer Not mit Verständnis wohlwollend aufzunehmen, selbst wenn sie nicht unsere Sprache sprechen?

Ich glaube, dass wir das Selbstverständnis unseres Wohlstandes nur dann genießen können, wenn wir bereit sind etwas zu teilen und abzugeben. Bisher waren die menschlichen Katastrophen im Fernsehen oder in der Zeitung von uns persönlich weit weg. Doch jetzt erreichen sie auch uns in unserer täglichen Realität. Nutzen wir es als Chance etwas selber zum Guten beisteuern zu können und den Flüchtlingen in Bad Kreuznach zu helfen.

 Ihr
 André Borsche

 Mehr Informationen auch unter:
 www.interplast-badkreuznach.de/projekte/fluechtlinge
 www.malteser-kreuznach.de/presse

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